Das Basler Modell

Plakat der Basler Taubenaktion aus dem Jahre 1988. Ziel der Aktion war es, der Bevölkerung zu erklären, dass die Fütterung den Tauben Probleme verursacht.

Das Basler Modell ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität, des Tierschutz beider Basel, des Gesundheitsdepartements und der Kantonspolizei Basel. Prof. Dr. Daniel Haag-Wackernagel ist  Leiter der Aktion und hat die wissenschaftlichen Grundlagen dazu geliefert.

Zwei Maßnahmen wurden umgesetzt:

  1. Der kritische Faktor der Bestandsgröße von Taubenpopulationen ist die Verfügbarkeit von Nahrung. Zunächst wurde in einer Informationskampagne der Bevölkerung der Zusammenhang zwischen Füttern, Überbevölkerung und Krankheiten klar gemacht.
  2. 1988 – 1991 errichtete die Stadt Basel überwachte Taubenschläge, aus denen regelmäßig Eier entfernt und durch Attrappen ersetzt wurden. Der Clou daran: Die weiblichen Tauben brüten noch weiter und sind während dieser Zeit nicht empfängnisfähig. Andererseits wurde damit den Taubenliebhabern gezeigt, dass die Stadt keineswegs die Tauben ausrotten, sondern eine kleine, gesunde Population erhalten möchte. Aus acht Taubenschlägen, in denen etwa 500 Vögel nisteten, wurden innerhalb eines einzigen Jahres (1996) 1,6 Tonnen Kot und 2.596 Eier entfernt!

Diese beiden Maßnahmen führten zu einem Rückgang der Tauben und der gemeldeten Taubenschäden in Basel. Innerhalb von 4 Jahren ging die Basler Taubenpopulation von ca. 20.000 um 50% auf etwa 10.000 Individuen zurück (Haag-Wackernagel 1993, 1997, 1999). Dann passierte nichts mehr….

Der drastische Rückgang der Taubenpopulation in Basel stand in keiner Beziehung zu den Taubenschlägen. Der Rückgang ist einzig und allein auf die Reduktion der Nahrungsgrundlage im Zusammenhang mit der Aufklärung der Bevölkerung zurückzuführen.

Das Basler Modell ist das einzige, für das nach wissenschaftlichen Kriterien ein Erfolgsnachweis vorliegt (siehe Publikation nature). Das Basler Modell ist in Deutschland nicht umzusetzen, da der eigentlich Grund für eine Reduktion der Population, die Senkung der Nahrungsgrundlage, nicht durchgeführt wird oder nicht realisierbar ist. Im Gegenteil: Die Nahrungsgrundlage wird durch die Fütterung in den offenen Taubenschlägen sogar künstlich erhöht.

Der aktuelle Tierschutz in Deutschland lässt eine nach wissenschaftlichen Schweizer Erkenntnissen durchgeführte Umsetzung des Basler Modells nicht zu. Das Regensburger Modell kann deshalb nicht mit dem Basler Modell verglichen werden.

Es scheiterte laut Haag immer am Geld und daran, dass das Problem „nicht wissenschaftlich angepackt wird“. Kritik übt er damit offen an deutschen Tierschützern als „gutmeinenden Laien, die sich in ökologische Problematiken einmischen, von denen sie keine Ahnung haben“. (Zur Erklärung: Der Tierschutz in der Schweiz orientiert sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen. In Basel wurde im Zuge der Kampagne sogar das Töten von hungernden Tauben mitgetragen. In Deutschland ist der Tierschutz moralischer ausgerichtet.)

Links zum Thema:

Publikationen:

  • Richard Köhler, Okt. 2008, Möglichkeiten zur Bestandsregulierung unter besonderer Berücksichtigung der Wirkung von Taubenhäusern
  • D. Haag-Wackernagel, März 2012, Fachtagung in Nürtlingen, „Aktuelle Erkenntnisse zum Tierschutz“
  • D. Haag-Wackernagel, Feb. 2012, Unerwünschte Gäste: Die Straßentaube – ein Blick hinter die Kulissen
  • D. Haag-Wackernagel, Jan. 1993, Pigeon Action Nature / „Street pigeons in Basel“

Quellen:

  • welt.de
  • UNI Basel
  • Grüne.at
  • Prof. Haag-Wackernagel